{"id":120,"date":"2014-09-23T19:09:10","date_gmt":"2014-09-23T17:09:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=120"},"modified":"2014-09-23T19:13:46","modified_gmt":"2014-09-23T17:13:46","slug":"lebensbejahendes-todesprogramm-endlich-lieder-fur-alle-die-noch-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=120","title":{"rendered":"Lebensbejahendes Todesprogramm: Endlich &#8211; Lieder f\u00fcr alle, die noch leben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Theussl-Endlich.gif\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-123\" title=\"Endlich - Lieder f\u00fcr alle, die noch leben\" src=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Theussl-Endlich.gif\" alt=\"\" width=\"272\" height=\"322\" srcset=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Theussl-Endlich.gif 272w, http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Theussl-Endlich-253x300.gif 253w\" sizes=\"(max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><\/a>Schauspieler, Regisseur und Autor, Liedermacher, Schwabinger Schaumschl\u00e4ger, Performancek\u00fcnstler \u2013 <strong>Christoph Theussl <\/strong>(oder Theu\u00dfl, niemand wei\u00df bzw. weiss das so genau) ist ein vielseitiger Sch\u00f6pfer und Darsteller. Sein neues Album jedoch, dass er am 18. September im Schwabinger Vereinsheim vorstellte, hat ein ganz klar gefasstes Thema: <strong>\u201eEndlich \u2013 Lieder f\u00fcr alle, die noch leben\u201c <\/strong>macht konsequent da weiter, wo Pop und Schlager sonst ebenso zuverl\u00e4ssig aufh\u00f6ren. Der anf\u00e4ngliche Liebesrausch und die bl\u00fchende Jugend interessieren nur am Rande, in Theussls Liedern geht es um das verbl\u00fchende Leben und seinen unausweichlichen Abschluss: Den Tod.<\/p>\n<p>Das klingt spontan beileibe nicht nach einer begl\u00fcckenden Thematik. Welche aber gerade unter den \u00d6sterreichern eine lange k\u00fcnstlerische Tradition hat \u2013 und weil es sich dort selbst in der Todes-Heimatstadt Wien doch offensichtlich vorz\u00fcglich leben l\u00e4sst, scheint die Duzfreundschaft mit Gevatter Tod wom\u00f6glich doch nicht unausweichlich in Tr\u00fcbsal und Depression zu zwingen. Wof\u00fcr der Exil-\u00d6sterreicher und Charakter-Wiener Theussl mit seinem Opus dann auch einen weiteren eindrucksvollen Beweis liefert.<\/p>\n<p>Denn es gibt auf der B\u00fchne kein Jammern und Wimmer zu h\u00f6ren: Wer allein dem Klang von Gitarre und Theussls runder und warmer Stimme lauscht, erlebt einen bunten Reigen ausgelassener und besinnlicher Stimmungen. Die Sonne scheint, die V\u00f6gel zwitschern und der Wiener Charme schmeichelt. Erst beim Begreifen der Texte bricht der morbide Inhalt durch: Da wird gemeuchelt, verbrannt, verschieden, vergraben und schnell, langsam oder sogar kerngesund gestorben; die Leiche im Kofferraum des Golf GTI wird immer aufs neue entdeckt und wieder vergessen. Selbst die beiden jungen Liebenden werden schon am Abend des ersten Kusses den Blick auf das unausweichliche Ableben richten. Und als H\u00f6hepunkt wird mit fr\u00f6hlicher Melodie bedauert: <em>Der sch\u00f6nste Tag zum Sterben, ist leider schon vorbei<\/em>.<\/p>\n<p>Klar geht es bei alledem auch einmal grob und zotig zur Sache, wenn etwa zwei Katzen ihr Lebensende in der Fritteuse finden. Aber das ist mehr ein Moment des Innehaltens, denn in der Summe nimmt Theussl den Tod bei aller Heiterkeit sehr ernst und spannt gro\u00dfe B\u00f6gen, denen zu folgen alle Aufmerksamkeit erfordert. Zumal sehr viel von Theussls Botschaft gar nicht im Ausgesprochenen, sondern im Ausgelassenen zu finden ist.<\/p>\n<p>Theussls Texte sind also gro\u00dfe Kunst: Seine Sprache ist hintergr\u00fcndig, bildhaft und immer wieder hoch poetisch \u2013 wenn er etwa das ungeheuer stimmungsvolle Bild einer nebeligen Wiener Todesnacht zeichnet. Dennoch wirkt jeder Satz ungek\u00fcnstelt und pr\u00e4zise \u2013 selbst wenn Theussl gr\u00f6\u00dftenteils im heimischen Dialekt singt. Aber auch die Liedbegleitungen auf der Gitarre sind weit mehr als schmucklose Akkordger\u00fcste \u2013 sie tragen alle Stimmungen mit und geben mit kurzen Zwischenspielen auch immer wieder einmal Gelegenheit zu Einhalt und Atemholen.<\/p>\n<p>Christoph Theussls morbid-satirisches Liedgut wird in der Laudatio zum F\u00f6rderpreis der Liederbestenliste mit dem Georg Kreislers oder \u00a0Ludwig Hirschs verglichen. Theussl selbst meint dazu, das st\u00f6re ihn nicht. Und es gibt tats\u00e4chlich objektiv auch wenig Gr\u00fcnde, dagegen zu protestieren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend also im Vereinsheim Theussls Tonjuwelen nacheinander funkeln, entwickelt die Todesthematik nach und nach beinahe etwas Beruhigendes: Statt aller verunsichernden Ungewissheit des Lebens k\u00fcndet Theussl von der Sicherheit des der \u00a0ganz gewissen Ablebens: \u201eWia weadn olle steabm\u201c, tr\u00e4llert er in munterer Tonart eines Sommerlieds \u2013 und l\u00e4sst damit alle allt\u00e4glichen Sorgen des H\u00f6rers ganz klein und nebens\u00e4chlich werden. Sogar wer mit eigenen Todesn\u00f6ten ringt, wird in den sinnlosen Versuchen des Aufbegehrens, etwa in der <em>Moritat vom ungleichen Kampfe des Bauernburschen mit dem unbezwingbaren Drachen<\/em> schlie\u00dflich sein augenzwinkerndes Spiegelbild erkennen.<\/p>\n<p>So lockt Theussls Gesang den Zuh\u00f6rer zuverl\u00e4ssig in die Erkenntnis, mit dem eigenen Leben einen kostbaren Schatz in H\u00e4nden zu halten, den es zu bergen und zu pflegen gilt. Und folglich wird das Konzert im Vereinsheim tats\u00e4chlich ein lebensbejahendes Todesprogramm. Das dank CD oder Download daheim immer wieder erlebt werden kann. Wozu hiermit allen Lebenden vor dem unausweichlichen Ende ausdr\u00fccklich angeraten wird.<\/p>\n<p><strong>P.S.: <\/strong>Wer nach der ersten CD des Albums vom Sterben noch nicht genug hat, der findet im Digipack eine zweite Scheibe mit der gleich von mehreren Dutzend Theussl-Freunden eingesungenen \u201eMoritat vom reisenden Kinde\u201c, die im Vereinsheim als Dauerzugabe mit allen anwesenden K\u00fcnstlern ihren blutr\u00fcnstigen Frohsinn entfaltete. Bis dann um 22 Uhr auf unbarmherzigen KVR-Erlass die Musik erstarb, das Saallicht aber ein im \u00e4u\u00dfersten lebendiges Publikum enth\u00fcllte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schauspieler, Regisseur und Autor, Liedermacher, Schwabinger Schaumschl\u00e4ger, Performancek\u00fcnstler \u2013 Christoph Theussl (oder Theu\u00dfl, niemand wei\u00df&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[134,9],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/120\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}