{"id":15,"date":"2008-08-27T19:45:46","date_gmt":"2008-08-27T17:45:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=15"},"modified":"2008-10-01T17:35:32","modified_gmt":"2008-10-01T15:35:32","slug":"wenn-alle-stricke-reisen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=15","title":{"rendered":"&#8222;Wenn alle Stricke rei\u00dfen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" align=\"right\" src=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2008\/08\/marcuwekling.jpg\" alt=\"Marc Uwe Kling, Pressefoto\" \/><strong>&#8230; kann man sich nicht mal mehr aufh\u00e4ngen&#8220;<\/strong>. Folgert <a target=\"_new\" href=\"http:\/\/www.marcuwekling.de\/\"><strong>Marc-Uwe Kling<\/strong><\/a> ebenso logisch wie erbarmungslos im Titel seines ersten Kabarett-Solos. Gesehen habe ich es in der <a href=\"http:\/\/www.lachundschiess.de\" target=\"_new\">M\u00fcnchner Lach &#038; Schie\u00df-Gesellschaft <\/a>(Weitere Termine <a target=\"_new\" href=\"http:\/\/www.marcuwekling.de\/termine.html \">hier. <\/a>).<\/p>\n<p>Ich kenne Kling bisher aus dem Poetry Slam, wo er als zweifacher deutschsprachiger Slam-Champion schon zu Lebzeiten Legende geworden ist.<\/p>\n<p>Wie der Titel schon andeutet, spannt Marc-Uwe einen weiten Bogen der Zerrei\u00dfproben: Er beginnt beim Abendessen unterm Weihnachtsbaum (und dessen Wiederholung als digitale Aufzeichnung am 1. Feiertag), zieht durch die verschleckert-gleichgeschalteten deutschen Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen hinauf in die Vorstandsetagen und Parlamente, klopft einmal kurz bei Gott selbst an und kehrt dann wieder nach Hause zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Unterwegs trifft er auf Papas neue Digitalkamera, erforscht die Generation Praktikum, k\u00e4mpft gegen intelligente Maschinen (und deren Lizenzvereinbarungen), er\u00f6rtert die bundespr\u00e4sidiale Order nach &#8222;Vorfahrt f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze&#8220; im Sinne der Stra\u00dfenverkehrsordnung und tr\u00f6stet sexuell ausgebeutete Ausbeuter-T\u00f6chter. Dabei stellt er als unerbittlicher Beobachter und Radikalmoralist vom Familien- bis zum Staatsoberhaupt jedwede Autorit\u00e4t in Frage &#8211; inklusive seiner eigenen auf der B\u00fchne. Es entsteht so das gleicherma\u00dfen bittere und doch br\u00fcllend komische Bild einer Welt, in der der &#8222;Fortschritt&#8220; im Wesentlichen den Verlust aller Orientierung und Verl\u00e4sslichkeit bedeutet.<\/p>\n<p>Bei alledem gelingt ihm das Kunstst\u00fcck, die Welten von Weihnachtsbaum, Wirtschaftslenker und Wahlversprecher immer miteinander verwoben zu halten. Das beweist zum einen elegant, wie sehr das private politisch ist &#8211; und das politische ebenso privat. Vor allem aber erspart es das anstrengend-selbstgerechte Auf-Die-Da-Oben-Zeigen anderer Weltverbesserer. Klings Zuh\u00f6rer entdecken den Untergang des Abendlandes gleich in der eigenen Wohnung. Oder sogar im eigenen Kopf.<\/p>\n<p>Ebenso abwechslungsreich wie Klings Themen ist sein Vortrag: Zwischen freien Moderationen und in Erz\u00e4hlerrolle vorgetragenen Prosatexten oder Gedichten spielt er quasi nebenbei noch Klavier und Gitarre zur Begleitung seiner Lieder, die gekonnt zwischen Jazz, Gospel und Liedermacherei wechseln.<\/p>\n<p>Im Kontrast zu dieser Vielseitigkeit ist seine B\u00fchnenfigur ruhend, beinahe statisch: Angestrengte Hysterie gibt es ebenso wenig wie irgendeine andere albern \u00fcberzogene Darstellung. Die Lieder und Texte haben so etwas bei ihrer sprachlichen St\u00e4rke und Versiertheit auch gar nicht n\u00f6tig. Einziges alter ego Klings ist die Figur seines &#8222;Mitbewohners&#8220;, eines latent gewaltbereiten K\u00e4ngurus mit erkl\u00e4rt kommunistischer Weltanschauung, das ihn aus all seinen Geschichten herausboxt, die allein mit Diplomatie nicht mehr aufzul\u00f6sen sind.<\/p>\n<p>Insgesamt entsteht ein h\u00f6chst intelligenter wie unterhaltender Abend aus privat-politisch-poetischem Kabarett mit ganz unverbrauchten Themen und Stilen. An dessen Ende Marc-Uwe Kling sein Publikum dann mit vers\u00f6hnlichen T\u00f6nen nach Hause entlassen m\u00f6chte, indem er anhand einer halb verwesten Fischkonserve aus dem K\u00fchlschrank singend die Einsicht vermittelt, dass es Wesen gibt, denen noch \u00fcbeler mitgespielt wurde als der geschundenen Menschheit.<\/p>\n<p>Das Publikum wird sich auch prompt seiner privilegierten Situation bewusst und scheint jegliches Interesse am Heimgehen verloren zu haben. So muss nach einem Zugabenmarathon das Ende der Veranstaltung schlie\u00dflich zwangsweise per Saalbeleuchtung herbeigef\u00fchrt werden. Immerhin k\u00f6nnen sich die ganz uners\u00e4ttlichen am Ausgang mit einer <a target=\"_new\"  href=\"http:\/\/www.marcuwekling.de\/cds.html\">CD des Programms<\/a> tr\u00f6sten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; kann man sich nicht mal mehr aufh\u00e4ngen&#8220;. 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