{"id":25,"date":"2008-09-16T02:31:57","date_gmt":"2008-09-16T00:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=25"},"modified":"2008-10-01T17:38:45","modified_gmt":"2008-10-01T15:38:45","slug":"bankelsanger-2008","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=25","title":{"rendered":"B\u00e4nkels\u00e4nger 2008"},"content":{"rendered":"<p><strong>Veranstaltung am 13.9.2008 \/ Anderart-Festival, Odeonsplatz, M\u00fcnchen<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" align=\"center\" src=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/anderart_laubblaeser.jpg\" alt=\"Laubblaeser\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Typisch M\u00fcnchen? Typisch anders!&#8220; Das &#8222;<a href=\"http:\/\/www.muenchen.de\/anderart\" target=\"_new\">AnderArt-Festival<\/a>&#8220; soll im Rahmen des M\u00fcnchner Stadtgeburtstags auf dem Odeonsplatz eine Open-Air-B\u00fchne f\u00fcr die kulturelle Vielfalt der Stadt bieten. Auch die Slam-Poesie soll da ein paar Gedanken zu Stadtgeschichte und Migration beitragen.<\/p>\n<p>&#8222;Bei freiem Eintritt und bei jedem Wetter&#8220; &#8211; das waren dabei die beiden wichtigsten Werbeargumente des M\u00fcnchner Kulturreferats. Leider erweist sicht nur das erste als wirklich zugkr\u00e4ftig. Der M\u00fcnchner Sommer verweigert sich n\u00e4mlich ebenso pl\u00f6tzlich wie vollst\u00e4ndig und katapultiert die gef\u00fchlte Jahreszeit auf etwa Ende Oktober nach vorn. Die riesengro\u00dfe offene B\u00fchne tut das ihre dazu: &#8222;Poesie im Gefrierfach&#8220; w\u00e4re ein passender Konzept-Titel gewesen. Die Veranstalter haben sich aber entschlossen, das einst\u00fcndige Slam-Poetry-Programm unter dem Arbeitstitel &#8222;B\u00e4nkels\u00e4nger 2008&#8220; anzuk\u00fcndigen. <\/p>\n<p>DJ Rayl Patzak und MC Ko Bylanzky leisten folglich erst einmal ein wenig Aufkl\u00e4rungsarbeit. Anschlie\u00dfend wird <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/bumillo\" target=\"_new\">Sturm-und-Slam-Dichter Bumillo<\/a> losgelassen, der wortgewaltig erkl\u00e4rt, wie die Zuagroasten an M\u00fcnchen erst erstaunen, dann verzweifeln und schlie\u00dflich aber doch ankommen k\u00f6nnen. Unglaublich, wie viele Ideen aus diesem erkl\u00e4rten &#8222;Live-a-holic&#8220; heraussprudeln. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er gegenw\u00e4rtig auch an seiner Magisterarbeit im Fach Theaterwissenschaften schreibt. Ich w\u00fcrde da innerhalb k\u00fcrzester Zeit in der Wortschatz-Ersch\u00f6pfung steckenbleiben.<\/p>\n<p>Dann darf ich ran. Die Aussicht von der B\u00fchne direkt vor der Feldherrnhalle auf die Leopoldstra\u00dfe ist atemberaubend. Ich bekomme irgendwann doch wieder Luft und trage zun\u00e4chst mit &#8222;Der letzte Freie&#8220; meine Ballade \u00fcber die Mikromigartion der Einkaufspendler und deren Verdr\u00e4ngungswettbewerb um den letzten freien Parkplatz am Stachus vor. Es folgt die Beziehungsbilanz mit meiner Freundin M\u00fcnchen. Zum Schluss muss der Laubbl\u00e4ser ran, der dank reichlicher Verst\u00e4rkung auf dem Odeonsplatz eine ungeheure Akustik entwickelt. <\/p>\n<p>Dritter in der B\u00e4nkels\u00e4nger-2008-Runde ist <a href=\"http:\/\/www.dichterlange.de\" target=\"_new\">Heiner Lange<\/a>; der wird zun\u00e4chst &#8222;Der kleine Dichter, der die Stadt sch\u00f6n machen will&#8220;, um dann als &#8222;Backpacker&#8220; mit den globetrotteligen Rucksacktouristen der Lonely-Planet-Sekte abzurechnen.<\/p>\n<p>Als besonderes Kunst-Crossover-Konzept tobt sich Graffiti-K\u00fcnstler Robert Kaltenh\u00e4user w\u00e4hrend der Performances live mit der Spraydose auf der B\u00fchne aus. Eine &#8211; wie sich schnell herausstellt &#8211; grandiose Idee, denn zum einen hilft die gro\u00dffl\u00e4chige Malerei, den gigantisch gro\u00dfen B\u00fchnenraum zu f\u00fcllen, in dem ein einzelner Poet sonst schnell verloren wirken w\u00fcrde. Vor allem aber hat sich Robert mit ebenso viel Aufwand wie Ideen auf die Texte vorbereitet. So zaubert er neben seinen spontanen Formen auch vorbereitete Elemente auf die Leinwand. Bumillo bekommt eine \u00fcbergro\u00dfe &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220;, die genau in der Choreografie seines Textes aufgebl\u00e4ttert wird. Bei mir gibt es eine fast schon daumenkinoartige Laubbl\u00e4ser-Bildfolge, von der hinterher das ganze Publikum schw\u00e4rmt. Ich selber bekomme auf der B\u00fchne in meiner Gebl\u00e4se-Verrohung leider \u00fcberhaupt nichts davon mit.<\/p>\n<p>Kongeniales Meisterst\u00fcck der Wortmalerei wird aber zum Schluss die Lange-Kaltenh\u00e4user-Performance von <em>&#8222;Mal mal&#8220;<\/em> &#8211; Heiner Langes dadaistische Ann\u00e4herung an die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bob_Ross_(Maler)\" target=\"_new\">Bob-Ross-Malerei<\/a>, in deren Verlauf jedes der Bilder aus dem Text Sekunden sp\u00e4ter auf der Leinwand zu sehen ist.<\/p>\n<p>Es gibt einen netten Ausklang bei aus \u00f6ffentlichen Mitteln subventioniertem Bier inmitten des wirklich multikulturellen Ambientes aus asiatischem Essen, italienischer Architektur, afrikanischen Rhythmen und sibirischem Klima. Vielen Dank also an das Kulturreferat als Veranstalter und an dessen hauseigene Techniker f\u00fcr eine ganz au\u00dfergew\u00f6hnlich poesietaugliche Gro\u00dfbeschallung &#8211; vor allem aber an das frost- und wasserabweisende Publikum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veranstaltung am 13.9.2008 \/ Anderart-Festival, Odeonsplatz, M\u00fcnchen &#8222;Typisch M\u00fcnchen? 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