{"id":32,"date":"2008-09-22T12:54:40","date_gmt":"2008-09-22T10:54:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=32"},"modified":"2008-09-22T12:54:40","modified_gmt":"2008-09-22T10:54:40","slug":"lausch-und-rauschangriff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=32","title":{"rendered":"Lausch- und Rauschangriff"},"content":{"rendered":"<p><strong>Veranstaltung am 19.9.2008 \/ <a href=\"http:\/\/www.slam-augsburg.de\/\" target=\"_new\">Poetry Slam &#8222;Lauschangriff&#8220;, Augsburg<\/a><\/strong><\/p>\n<p><em>Augsburg = ausverkauft<\/em>. Diese empirische Gleichung gilt trotz Ferienausklang ein weiteres Mal &#8211; und die Verh\u00e4ltnisse an der nur f\u00fcr wenige Minuten wirklich existierenden Abendkasse sind so dramatisch, dass ich um kurz vor knapp noch den mir bekannten Resten der Reservierungsliste hinterher telefoniere, damit auch ganz sicher niemand umsonst weggeschickt wird. Der von hinten bis ganz vorne gef\u00fcllte Saal ist ein angenehmer Kontrast zum <a href=\"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=31\">Ebersberger Kulturtage-Slam<\/a>, wo das Publikum sich nur als &#8222;Randgruppen&#8220; auf den Sofas entlang der weit entfernten Saalw\u00e4nde l\u00fcmmelte.<\/p>\n<p>Nach dramatischer Anmoderation von MC <a href=\"http:\/\/www.e-thieme.de\" target=\"_new\">Horst Thieme <\/a>macht Nils Rusche den gelosten Auftakt mit einer intelligent gestrickten und sch\u00f6n gereimtem Verschw\u00f6rungsgeschichte: Die Tauben, vorgebliche Friedensstifter, metzeln sich in Wahrheit schon seit der Arche Noah blutr\u00fcnstig durch die Weltgeschichte. Im Anschluss ein Augsburger Weltschmerzmelker, der mich nicht wirklich mitrei\u00dfen kann. Vermutlich auch deshalb, weil ich als geladener Gast direkt nach ihm meinem Startplatz entgegenfiebere.<\/p>\n<p>Der Lauschangriff ist einer der epischen Zehn-Minuten-Slams &#8211; und davon gelockt krame ich meine Selbstbeichte als (offenbar doch nicht endg\u00fcltig) geheilter Poesieabh\u00e4ngiger aus dem Ged\u00e4chtnis. Nach dem Flop der <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/poetryslam\/videos\/runde18\/georg_eggers.jsp\" target=\"_new\">Drei-Minuten-Rasantversion beim WDR-Poetry-Slam<\/a> kommt die Acht-Minuten-Variante offenbar gut an &#8211; und macht mit reichlich Gelegenheit zur Exzentrik auch als Vortragender viel mehr Spa\u00df. Albrecht Rau verliest anschlie\u00dfend noch eine gro\u00dfe Portion Trashlyrik &#8211; dann bekomme ich genug Applausl\u00e4rm f\u00fcr&#8217;s Finale.<\/p>\n<p>Ein besonderes Ph\u00e4nomen ist nach der Pause Matylda. Die h\u00e4lt ihre dunklen und destruktiven Gedanken nicht verborgen &#8211; ich erlebe sie aber als die erste Autorin dieser Art, der dazu eine darstellerische Distanz und mitunter sogar Selbstironie gelingt. Und die damit ihre eigene Zerissenheit auch f\u00fcr au\u00dfen stehende erahnbar werden l\u00e4sst. Dar\u00fcber hinaus verleiht sie mit den &#8222;Zerschmetterlingen&#8220; selbst der Zerst\u00f6rung eine sprachliche Sch\u00f6nheit. Ihr folgt im Kontrast die n\u00e4chste Autorin mit einem Fuck-George-Doublejuh-Text, dessen ungebrochener Schwall aus Hass am Publikum ganz offenbar ohne Wirkung abperlt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.michael-jakob.de\" target=\"_new\">Michael Jakob<\/a>&#8211; zweiter geladener Gast &#8211; f\u00e4hrt als dritter der Runde eine Doppelstrategie: Erst mit &#8222;Papier&#8220; etwas neues ausprobieren, anschlie\u00dfend mit seiner Fragenliste einen kampferprobten Knaller hinterher &#8211; die zehn Minuten Redezeit machen es m\u00f6glich. Cornelia Koepsell kommt da mit durchaus interessanten und klugen, aber (am Ende auch f\u00fcr die zehn Minuten) zu weit scheifenden Geschichten nicht gegen an.<\/p>\n<p>So stehen sich zum Finale die beiden Ausw\u00e4rtsg\u00e4ste gegen\u00fcber. Jetzt muss es mit jeweils nur noch drei Minuten ganz schnell gehen. Ich werde r\u00fcckf\u00e4llig und reime &#8222;Den Butt&#8220; zusammen, Michael initiiert mit dem &#8222;Manifest f\u00fcr die Nacktheit&#8220; auf der B\u00fchne eine Altkleider-Sammlung. Der Manifest-Applaus ist frenetisch, der Butt-Beifall in den Ohren des MC Horst aber noch ein Hauch frenetischer. Also darf ich f\u00fcr alle den Schampus entkorken.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend bin ich so belauscht und berauscht, dass ich um Haaresbreite den Absprung zum letzten Zug nach M\u00fcnchen verpasse. Meine zun\u00e4chst fast filmreife Flucht mit dem Taxi verliert dann aber auf dem Bahnhof aufgrund einer zehnmin\u00fctigen Zugversp\u00e4tung doch erheblich an Dynamik &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veranstaltung am 19.9.2008 \/ Poetry Slam &#8222;Lauschangriff&#8220;, Augsburg Augsburg = ausverkauft. 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