{"id":35,"date":"2008-09-30T08:22:22","date_gmt":"2008-09-30T06:22:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=35"},"modified":"2012-02-23T11:30:59","modified_gmt":"2012-02-23T09:30:59","slug":"poesie-unter-der-pickelhaube","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=35","title":{"rendered":"Poesie unter der Pickelhaube"},"content":{"rendered":"<p><strong>Veranstaltungen am 24. und 26. 9. 2008 \/ Maxi Schafroth: Faszination Allg\u00e4u, <a href=\"http:\/\/www.heppel-ettlich.de\" target=\"_new\">Heppel &amp; Ettlich, M\u00fcnchen<\/a><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/pickelhaube.jpg\" alt=\"Pickelhaube\" align=\"right\" \/><\/p>\n<p>Wie, bittesch\u00f6n, kann ein b\u00e4uerlicher Kleinbetrieb im Allg\u00e4u wohl von der ach so hippen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tiergest%C3%BCtzte_Therapie#Delfintherapie\" target=\"_new\">Delfin-Therapie<\/a> profitieren? Ganz einfach &#8211; die moderne Trend-Quacksalberei muss nur ein wenig an die \u00f6rtlichen Gegebenheiten angepasst werden &#8211; so wie es Maxi Schafroth als dankbarer Innovationslandwirt seinen &#8222;Geldgebern&#8220; im Publikum erkl\u00e4rt: Da wird anstelle des Pools einfach eine G\u00fcllegrube mit Wasser aufgef\u00fcllt, dann mit dem Trecker gutsituierter Bogenhausener Nachwuchs ans Wasser kutschiert und schliesslich der namensgebenden Meeress\u00e4uger einfach durch eine robuste Milchkuh ersetzt &#8211; fertig ist eine Allg\u00e4uer Erfolgsgeschichte.<\/p>\n<p>Die sprichw\u00f6rtliche Bauernschl\u00e4ue ist es, der Maxi Schafroth in seinem bunten Allg\u00e4u-Abend huldigt, indem er seinen Heimat-Landsprich zwar sp\u00f6ttelnd, aber doch immer liebevoll auf der Kabarett-B\u00fchne pr\u00e4sentiert. Die zahlreich im Publikum vertretenen Echt-Allg\u00e4uer scheinen Spott und Liebe auch gleicherma\u00dfen zu sp\u00fcren, denn sie am\u00fcsieren sich pr\u00e4chtig und kl\u00e4ren im Dialog mit der B\u00fchne die unwissenden St\u00e4dter mit Inbrunst \u00fcber die Geheimisse der Region auf. H\u00f6hepunkt der sympathischen Selbstironie ist Maxi Schafroths Vater, der vom Sohnemann auf der B\u00fchne als cholerisch fluchendes Rumpelstilzchen verk\u00f6rpert wird, w\u00e4hrend der der Echte hinten im Saal sitzt und in der Pause als freundlich beredter Gem\u00fctsmensch erlebt werden kann.<\/p>\n<p>Allein diese unaufdringlich stolzen Heimatreflexion macht die &#8222;Faszination Allg\u00e4u&#8220; zu einem Erlebnis. Aber Maxi Schafroth n\u00e4hert sich den Biotopen aus Bierzelt und Bauernhof musikalisch und in Begleitung an. Da w\u00e4re zun\u00e4chst Marcus Schalck, der als souver\u00e4ner Begleiter s\u00e4mtliche Veitst\u00e4nze auf der Gitarre untermalt. Richtig pomp\u00f6s wird die Musik dann durch Trompete und Posaune der Trachtenformation &#8222;Lehler Lackl&#8220;, die auch mit Satzgesang einspringt.<\/p>\n<p>Ein weiteres Ereignis im Allg\u00e4uer Kosmos ist Rafael Dwinger in der Rolle des singenden Viehh\u00e4ndlers &#8222;Sergej&#8220;. Der stolpert als Ukrainischer Allg\u00e4u-Immigrant durch das Programm, sagt dabei kaum ein Wort mehr als absolut notwendig &#8211; und spricht mit seiner Mimik und Gestik doch B\u00e4nde. Und dann krabbelt Maxi noch auf allen Vieren mit einer jungen Operns\u00e4ngerin \u00fcber die B\u00fchne und singt ein opernentlehntes Milchkuh-Duett.<\/p>\n<p>Irgendwo in diesem furiosen Voralpenpanorama soll ich dann auf Wunsch des Protagonisten meinen Platz finden. Wir probieren es mit verschiedenen Konzepten: Am ersten Abend bekomme ich aus dem Fundus der <a href=\"http:\/\/www.preussensgloria.com\/\" target=\"_new\"> Schafrothschen Preu\u00dfen-Trash-Soap<\/a> eine Pickelhaube ausgeliehen und soll dann den integrationsresistenten Zuagroastn geben, f\u00fcr dessen Eingliederung ins bayerische B\u00fchnenleben die Veranstalter sich mit F\u00f6rdergeldern schmieren lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Mangels irgendwelcher Erfahrung als Pickelhauben-Tr\u00e4ger baue ich in der Stellprobe gleich einen dramatischen Unfall: Mit der Haubenspitze bin ich deutlich h\u00f6her als die Feuerschutzt\u00fcr des B\u00fchnenaufgangs, was einen heftigen Schlag in meinen Nacken, sehr viel L\u00e4rm und einen Blechschaden zur Folge hat.<\/p>\n<p>In der ersten Auff\u00fchrung komme ich dank unmilit\u00e4rischer Buckelei heil bis ans Mikrofon, ernte dann aber mit meinen Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Vorz\u00fcge, die ein &#8222;Deutscherrr Sch\u00e4ferrrhund&#8220; gegen\u00fcber \u00fcber dem Bayerischen Dackel (&#8222;Leberwurst am Abschleppseil&#8220;) hat, einiges Erstaunen. In der zweiten Runde probieren wir es pickellos mit einem Stadt-Land-Konflikt und ich starte in der letzten Reihe, um mich mit meiner agoraphobischen Schm\u00e4hung der &#8222;H\u00e4ndchen haltenden Liebespaare&#8220; durch den (trotz Oktoberfest) restlos ausverkauften Saal bis zu B\u00fchne zu br\u00fcllen. Was entgegen der gedichteten Handlung ganz reibungslos gelingt, weil sich das Publikum mit angsterf\u00fclltem Blick vor mir teilt.<\/p>\n<p>Wie auch immer: Meine g\u00e4nzlich allg\u00e4u-unerfahrenen Agentinnen im Saal schw\u00e4rmen anschlie\u00dfend in den h\u00f6chsten T\u00f6nen von den Reizen der idyllischen Natur im Allgemeinen (und von Raphael Dwinger im Speziellen); und auch ich bekomme in nett entspanter Runde an der Bar noch manch freundliches Wort zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dann aber holt mich die unidyllische Oktoberfest-Realit\u00e4t wieder ein: Mein Taxifahrer donnert mit starrem Blick und verriegelten T\u00fcren am Hauptbahnhof durch die Horden der taxiwinkenden Ma\u00dfkrug-Zombies und besteht darauf, mich am \u00e4u\u00dfersten Ende meiner stillen Seitenstra\u00dfe abzusetzen, damit die Wiesn-Wiederg\u00e4nger nicht in erbrecherischer Absicht sein leeres Fahrzeug st\u00fcrmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veranstaltungen am 24. und 26. 9. 2008 \/ Maxi Schafroth: Faszination Allg\u00e4u, Heppel &amp; Ettlich,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[46,45,48,47],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}