{"id":64,"date":"2011-01-03T03:49:26","date_gmt":"2011-01-03T01:49:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=64"},"modified":"2011-01-03T03:49:26","modified_gmt":"2011-01-03T01:49:26","slug":"einfach-reich-beschenkt-luise-kinseher-im-lustspielhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.groeg.de\/?p=64","title":{"rendered":"Einfach reich beschenkt: Luise Kinseher im Lustspielhaus"},"content":{"rendered":"<p><a href='http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/luise100dm_small.gif'><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/blog.groeg.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/luise100dm_small.gif\" alt=\"\" title=\"Kinseher macht reich\" width=\"256\" height=\"159\" class=\"alignright size-full wp-image-42\" \/><\/a>Zun\u00e4chst scheint alles ganz einfach: <strong>Luise Kinseher <\/strong>will aussteigen, die einsame Alm in den Schweizer Alpen ist schon bezahlt. Und so erscheint sie gleich am Anfang ihres Soloprogramms <strong><em>Einfach Reich<\/em><\/strong> mit dem B\u00fcndel der Geldscheine aus der Abendkasse, um ihren Abschied zu verk\u00fcnden und das Eintrittsgeld zur\u00fcckzuzahlen.<\/p>\n<p>Aber so einfach geht es dann doch nicht: Der unb\u00fcrokratischen R\u00fcckzahlung steht pl\u00f6tzlich Frau Buchhalterin R\u00f6sch entgegen, die als Fleischwerdung der Kinseherschen Kr\u00e4merseele erst einmal vorab eine steuerwirksame Quittung von jedem Gast einfordert. Sich aber dabei sofort mit der shopping-affinen Frau Lachner aus dem Marketing \u00fcberwirft. Dann platzt auch noch die gealterte Diva Frese in die Runde, um die F\u00fchrung einer \u00f6konomisch optimierten Ehe zu erl\u00e4utern (&#8222;Wo hat mein Heinz die Banane her? Sein Taschengeld reicht daf\u00fcr nicht &#8230;&#8220;) und mittendrin krakeelt &#8222;Mary from Bavary&#8220; herum, die der Einsamkeit genauso ab- wie dem Alkohol zugeneigt scheint. <\/p>\n<p>Ein solcher Tumult aus Darstellern ist an sich schon erstaunlich f\u00fcr einen Soloabend. Noch erstaunlicher aber ist, dass es dazu weder Verkleidungsexzesse noch alberner Requisiten bedarf: Die Figuren enstehen mitten auf der B\u00fchne allein aus Luise Kinsehers Mimik, Gestik und Sprache. Und zwar so instantan, dass sie sogar miteinander Dialoge f\u00fchren k\u00f6nnen, ohne dass je der Faden verloren geht. Die ungeheure Pr\u00e4zision dieses Wechselspiels ist ganz sicher auch ein gro\u00dfer Verdienst der Regisseurin <strong>Beatrix Doderer<\/strong>. <\/p>\n<p>Was den Abend aber jenseits aller darstellerischen Perfektion zum gro\u00dfen Ereignis macht, ist der kluge, scharfe aber doch wohlwollende Blick auf das menschliche Wesen. Denn die vielen Seelen, die wohl (ach!) in jeder Brust wohnen, sind nirgendwo alle einzeln mit ihren schwergewichtigen Bedenken in solcher Leichtigkeit zu erleben wie im Kinseherschen Kabarett. <\/p>\n<p>Auf diese Weise wird das Ringen um Geld und Gl\u00fcck zu einem Streifzug durch die Seele jedes Zuschauers: Die schr\u00e4ge Damenriege ertappt nacheinander die Charakterdefizite des Betrachters und lockt ihn in den guten Vorsatz, es ab sofort viel besser machen zu wollen. Aber nur, um ihn Augenblicke sp\u00e4ter die totale Vergeblichkeit dieses Versuchs begreifen zu lassen.  <\/p>\n<p>So bleibt am Ende auch die Frage offen, ob die immer wieder hoch gelobten K\u00fche der Schweizer Alpen wirklich die besseren Menschen sind. Denn schlie\u00dflich h\u00e4lt &#8222;Mary from Bavary&#8220; noch ein berauscht-berauschendes Schlusspl\u00e4doyer f\u00fcr das ganz menschliche Beisammensein. Dieses Sein scheint auch das Publikum ganz au\u00dferordentlich zu genie\u00dfen. Denn im Applaus zeigt sich die gro\u00dfe Einm\u00fctigkeit, mit den Weisheiten des Abends viel, viel besser weggekommen zu sein, als mit einem r\u00fcckerstatteten Eintritt. <\/p>\n<p>Auf diese Weise schn\u00f6des Geld gegen den Reichtum der Kinseherschen Klugheit einzutauschen, sei jedem Gl\u00fccksucher aufs W\u00e4rmste angeraten. Wenn es ihm denn gelingt, Karten f\u00fcr eine der (ganz zurecht) auf Monate hinaus ausverkauften Vorstellungen zu ergattern. Aber es kann ja auch nicht alles einfach sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst scheint alles ganz einfach: Luise Kinseher will aussteigen, die einsame Alm in den Schweizer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[122,13,121,22],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.groeg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}